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Mit dem Angebot der Aufnahme substituierter Patientinnen wollen wir einen neuen Zugang zur Gruppe der Opioidabhängigen beschreiten, wobei einige Thesen als Grundlage der Arbeit mit diesem Klientel vorausgesetzt werden muss:

  • Es gibt keine Alternative zur Abstinenzorientierung in der Suchtarbeit.
  • Die stationäre Entwöhnungsbehandlung ist eine nachgewiesenermaßen wirkungsvolle Behandlungsmethode für suchtkranke Menschen.
  • Substitution ist eine sinnvolle Ergänzung der Suchtarbeit, kann aber nur Brückenbehandlung hin zur Abstinenz sein.
  • Komorbide Störungsbilder gehören als auslösende und aufrechterhaltende Faktoren zur Suchterkrankung und sind daher behandlungsbedürftig.

Die hohe Zahl somatischer Erkrankungen bei Opioidabhängigen (Hepatitis, HIV) aufgrund ihrer oft unzureichenden hygienischen Lebensumstände hat in der Folge niederschwellige Hilfsangebote ins Leben gerufen, die in erster Linie das Überleben der Abhängigen sichern sollten. Hierbei steht die Substitutionsbehandlung im Mittelpunkt und wird seit 2002 auch von den Krankenkassen bezahlt. Es sollte über die Gabe von Medikamenten, psychotherapeutische Elemente und Unterstützung bei der Bewältigung sozialer Probleme ein Zugang zum Abhängigen geschaffen werden, der ihn letztlich zum Ausstieg aus der Drogenszene veranlasst. So war die Opiatfreiheit immer ein Ziel dieser Behandlungsmethode (Backmund, 2008). Der in den letzten Jahren feststellbare leichtere Zugang zur Substitution mit gleichzeitiger Verringerung der psychotherapeutischen und sozialen Betreuung erschwert aber den Ausstieg. Gleichzeitig ist für substituierte Abhängige die Forderung, auf jeden Fall jedoch der Druck zur sofortigen Abstinenz, oft eine zu große Hürde hin zur stationären Entwöhnung. Diese Hürde gilt es aber zu überwinden.

Wenn nun substituierte Opioidabhängige in einem geschützten und strukturierten Rahmen die Möglichkeit erhalten, sich hinsichtlich ihrer komorbiden Störungsbilder entsprechende medizinische und psychotherapeutische Hilfen zu holen, sich ihrer sozialen Schwierigkeiten und Probleme durch sozialtherapeutische Intervention zu entledigen, wird die Notwendigkeit der Substanzeinnahme verringert und der Ausstieg parallel erleichtert. Danach kann dann die berufliche Rehabilitation mit dem Ziel der beruflichen Integration (Teilhabe) in den Arbeitsmarkt ansetzen.

Während sich also Vertreter niederschwelliger (Substitution) und hochschwelliger (Abstinenzorientierung) Angebote bisher häufig erbitterte ideologische Grabenkämpfe lieferten, wollen wir mit diesem Projekt einen Brückenschlag zum Wohle der Abhängigen abliefern, weil durch den leichteren substitutionsgestützten (niederschwelligen) Zugang zur abstinenzorientierten (hochschwelligen) Entwöhnung einer weiteren Gruppe von Opioidabhängigen der Weg zum Ausstieg aus der Sucht hin zur Verbesserung ihrer Lebenssituation und damit Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben geebnet wird.

Es werden opioidabhängige Patientinnen der stationären Entwöhnungsbehandlung unterzogen. Die Behandlung findet in einer Gruppe von 6 bis 8 Patientinnen in den Gebäuden der Fachklinik Schlehreut/Wegscheid statt. Ab einer Aufnahmezahl von 7 Substituierten werden diese Frauen in einer eigenen Gruppe zusammengefasst, sollten weniger Substituierte in der Einrichtung sein, werden sie in die anderen Bezugsgruppen integriert.

Ansonsten sind die Patientinnen in die normale Hausgemeinschaft und das Rehabilitationsprogramm eingebunden, es wird durch das dortige Mitarbeiterteam durchgeführt und entspricht dem hier dargestellten, von Seiten der Rentenversicherung anerkannten Konzept. Die Behandlung dauert 6 Monate.

Voraussetzung zum Zugang zur Entwöhnung ist eine Entgiftung von sonstigen Substanzen (Beikonsum, außer Substitutionsmittel) und die Erklärung der Bereitschaft zur Beendigung der Substitution während der Entwöhnung. Im Gegensatz zu den bisherigen Voraussetzungen zur Genehmigung einer Entwöhnungsbehandlung müssen die Patientinnen im Vorfeld nicht vom Substitut entzogen sein, womit ein leichterer Zugang zur abstinenzorientierten Behandlung ermöglicht wird.

Hinsichtlich des Therapieerfolges werden wir für dieses Angebot ein Forschungsprojekt mitlaufen lassen: Zu Beginn der Behandlung durchlaufen die Patientinnen die standardmäßige Aufnahmediagnostik der Einrichtung bestehend aus medizinischer (Labor, internistische und psychiatrische Untersuchung, med. Anamnese), psychologischer (Testdiagnostik, psycholog. Untersuchung, persönliche und Suchtanamnese) und sozialtherapeutischer Datenerhebung (berufl. und Sozialanamnese). Zum Therapieende werden die diagnostischen Daten nochmals erhoben. Hieraus ergeben sich die Grunddaten für eine spätere Auswertung des Ergebnisses der Behandlung dieser Patientinnengruppe.

Im Falle der Bestätigung, dass die Behandlungsergebnisse sich nicht signifikant von denen der vollständig entgifteten Patientinnen unterscheiden, gilt als erwiesen, dass die Aufnahme substituierter Patientinnen einen weiteren Zugang zur abstinenzorientierten Behandlung Opioidabhängiger eröffnet.

 

© Fachklinik Schlehreut